Hanga Roa ist das Herz der Insel und beherbergt fast die gesamte Bevölkerung von Rapa Nui (rund 8.000 Einwohner, Stand 2024). Die Mehrheit der Einwohner sind polynesischer Abstammung – Nachkommen der Rapa Nui -, daneben leben auch Festland-Chilenen und einige internationale Zuzügler auf der Insel. Hier lebt man noch im Rhythmus der Natur. Bunte Häuser, kleine Cafés und Kunsthandwerksläden prägen das Bild. Die Menschen begegnen einem mit Herzlichkeit und einer tiefen Verbundenheit zu ihrer Kultur. Im Hare Uta wurden wir mit einem köstlichen Mittagessen empfangen, danach genossen wir die Ruhe am Pool – ideal, um nach der Reise erst einmal anzukommen.

Inselrundfahrt mit Geschichte und Gänsehautmomenten
Der nächste Tag begann früh, denn Jorge holte uns mit seinem Allradfahrzeug ab – bereit, uns die Schätze seiner Heimat zu zeigen. Unser erstes Ziel war der Vulkankrater Rano Kau, ein beeindruckendes Naturwunder mit einem Durchmesser von über einem Kilometer. Im Kraterinneren erstreckt sich ein Süsswassersee, dessen Oberfläche mit schwimmenden Schilfinseln bedeckt ist. Rano Kau war einst das Zentrum des sogenannten Vogelmann-Kults, einer faszinierenden Zeremonie, bei der junge Männer in waghalsigen Wettkämpfen die Vorherrschaft für ihren Stamm erlangen konnten.
Weiter ging es zum Ahu Akivi – eine der wenigen Kultstätten, bei denen die Moai nicht wie üblich landeinwärts, sondern in Richtung Ozean blicken. Die sieben majestätischen Statuen stehen perfekt ausgerichtet und wirken fast wie Wächter des Meeres. Jorge erklärte uns, dass dies möglicherweise mit der Legende von den ersten Seefahrern zu tun hat, die Rapa Nui entdeckten.

Ein Höhepunkt des Tages war der Besuch des sagenumwobenen Rano Raraku, dem Steinbruch der Insel, auch bekannt als „Moai-Werkstatt“. Hier wurden die ikonischen Statuen einst direkt aus dem vulkanischen Tuffstein gehauen – viele von ihnen blieben unvollendet in den Hängen liegen, teils noch halb im Gestein eingebettet. Rund 400 Moai sind hier zu finden, manche riesig, andere geheimnisvoll versunken. Der Anblick ist spektakulär und lässt erahnen, welche kolossale Arbeit hinter dem Bau und Transport dieser Statuen steckte. Ein Ort voller Magie – still, archaisch und rätselhaft.


Das nächste Ziel war das berühmte Ahu Tongariki, mit seinen 15 restaurierten Moai die grösste Anlage der Insel. Die Statuen stehen wie auf einer Parade aufgereiht vor der Kulisse des wilden Pazifiks – ein Bild, das man nie mehr vergisst. Einst vom Tsunami zerstört, wurde die Anlage in den 1990er-Jahren mithilfe japanischer Archäologen aufwendig rekonstruiert.
Den krönenden Abschluss bildete der Besuch des traumhaften Anakena-Strandes im Norden der Insel. Feiner, weisser Sand, Palmen, türkisfarbenes Wasser – und auch hier thronen Moai über der Bucht. Ein Ort, an dem sich Natur, Geschichte und Spiritualität auf magische Weise verbinden. Bei einem farbenprächtigen Sonnenuntergang sassen wir im warmen Sand und liessen die Eindrücke des Tages auf uns wirken.
Weitere Entdeckungen rund um Hanga Roa
Nach zwei Nächten im gemütlichen Hare Uta bezogen wir das stilvolle Nayara Hanga Roa, ein elegantes Resort direkt am Meer, eingebettet in eine tropische Gartenanlage mit herrlichem Blick auf die wilde Küste. Das Hotel ist der ideale Ort, um die Seele baumeln zu lassen – besonders, wenn sich wie in unserem Fall das Wetter von seiner wechselhaften Seite zeigt. Die beste Reisezeit für die Osterinsel ist grundsätzlich das ganze Jahr über, wobei der südliche Sommer (Dezember bis März) tendenziell wärmer und sonniger ist. Wir reisten im Übergangsmonat Mai – milde Temperaturen um die 20 bis 24 Grad, aber teils bewölkt und regnerisch. Doch auch das passte zur mystischen Stimmung, die Rapa Nui ausstrahlt.


Wir nutzten die Zeit, um es etwas ruhiger anzugehen. Die vom Hotel angebotenen Ausflüge konnten flexibel eingelöst werden – und so entschieden wir uns für eine wohltuende Massage im Spa, die uns nach den ersten aktiven Tagen pure Entspannung schenkte. Danach packte uns jedoch wieder die Abenteuerlust: Mit Quadbikes erkundeten wir auf eigene Faust die Insel, fuhren über holprige Pisten durch sattgrüne Weiten, vorbei an verstreuten Moai und wilden Pferden bis zurück zum Strand von Anakena, der uns bereits zuvor so beeindruckt hatte. Hier liessen wir den Nachmittag am weissen Sandstrand unter Palmen gemütlich ausklingen.
Am Abend genossen wir den Blick auf den Ozean von der Terrasse des Nayara Hanga Roa – mit einem Glas chilenischem Wein und feinem Apéro. Das Rauschen der Wellen, der Duft der Gärten und das letzte Licht des Tages – ein perfekter Abschluss unserer Zeit in Hanga Roa.
Letzte Tage im exklusiven Explora – Rapa Nui erleben mit Tiefgang
Für unsere letzten drei Nächte wechselten wir ins Explora Rapa Nui, das für seine aussergewöhnlichen Erlebnisse und seine Nähe zur Natur bekannt ist. Das architektonisch harmonisch eingebettete Hotel liegt etwas abgelegen im Landesinneren mit Blick auf das Meer, die Atmosphäre ist ruhig, exklusiv und dennoch bodenständig. Die Ausflüge werden individuell auf die Gäste abgestimmt – ein Konzept, das uns sehr entgegenkam.
Bereits am ersten Morgen stand ein ganz besonderes Highlight auf dem Programm: Tongariki bei Sonnenaufgang. Umgeben von mystischem Morgennebel, ragen die 15 Moai wie stumme Riesen in die erwachende Welt. Die aufgehende Sonne färbt den Himmel blau-violett und später orange-rot, während das Licht langsam die Gesichter der Statuen erreicht – ein Moment, der tief berührt.
Am nächsten Tag wartete ein erfrischendes Abenteuer auf uns: eine Schnorcheltour vor der Küste von Rapa Nui. Ausgerüstet mit Neoprenanzug, Maske, Schnorchel und Flossen tauchten wir ein in die klare Unterwasserwelt, wo wir bunte Fische und faszinierende Gesteinsformationen bestaunen konnten. Die Wassertemperatur lag bei angenehmen 20 Grad – ein überraschend mildes Erlebnis mitten im Pazifik!
Nachmittags unternahmen wir mit unserem Guide Pablo einen gemütlichen Spaziergang zu Fuss zur Kultstätte Ahu Akahanga, die rund eine Stunde vom Hotel entfernt liegt. Der Weg führte durch wilde Graslandschaften mit Meerblick. Vor Ort sahen wir die Überreste einer ehemals bedeutenden Zeremonialanlage – mit liegenden Moai und gut erhaltenen Plattformen. Hier, so erzählt man, sei der legendäre König Hotu Matu’a begraben – der erste Siedler Rapa Nuis. Überrascht wurden wir bei der Rückkehr zum Van, der auf uns wartete, um uns zurück zum Explora-Hotel zu bringen, mit einem Picknick mitten im Grünen.
Am nächsten Tag erwartete uns noch einmal Bewegung: Mit dem Mountainbike durchquerten wir die Insel auf einer rund 23 Kilometer langen Route – eine sportliche, aber lohnende Fahrt. Vorbei an Lavasteinen, Kratern und kleinen Dörfern radelten wir schliesslich ein letztes Mal zum Strand von Anakena, wo wir uns ein letztes Mal im Pazifik erfrischten. Ein wunderschöner, lebendiger Abschluss unserer Reise.

Fazit
Rapa Nui hat mich nicht nur mit seinen Monumenten und Landschaften begeistert, sondern auch mit seiner tiefen spirituellen Kraft. Die Mischung aus Naturerlebnis, kultureller Tiefe und stiller Abgeschiedenheit macht die Osterinsel zu einem einzigartigen Reiseziel. Ob zu Fuss, per Bike, im Wasser oder einfach still geniessend – diese Insel lässt Raum für Entdeckung, Reflexion und Erholung gleichermassen.
Ich kehre erfüllt und inspiriert zurück – mit grosser Dankbarkeit für diese besondere Woche. Für Reisende, die das Aussergewöhnliche suchen, ist Rapa Nui ein Juwel im Pazifik, das man mit offenem Herzen erleben sollte.
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Livia Eberle
Mai 2025